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It’s not a good deal if you don’t need it!

Unsere Gedanken zum Black Friday: Die aus der USA stammende Tradition ist seit einigen Jahren auch in der Schweiz sehr beliebt💰 Kaufen, kaufen und nochmals kaufen zu vermeintlichen „Schnäppli“ Preisen. Rabatte und Sales Plakate tapezieren die Schaufenster und Online-Shops. Doch sind die Produkte wirklich günstiger? Was machen Rabatte mit unserem Gehirn? Haben wir nicht schon alle genügend Produkte zu Hause, die wir nicht benötigen? Kann Konsum uns nachhaltig glücklich machen? Auf diese Fragen und was du tun kannst anstatt etwas zu kaufen, was du nicht wirklich brauchst, möchten wir im folgenden Blogartikel eingehen.


Tatsächliche Schnäppchen oder clevere Marketingstrategie?

Um herauszufinden, ob es sich bei den Rabatten am Black Friday um tatsächliche Schnäppchen handelt, hat das Vergleichsportal "Netzsieger" Preise für verschiedene Produkte von unterschiedlichen Händlern beobachtet und über einen ganzen Monat starke Preisschwankungen beobachtet. Nur bei einem von acht beobachteten Produkten sei der Preis stetig gesunken. Das Gegenteil war der Fall: Bei vielen Geräten ist der Preis vor dem Black Friday sogar nochmals gestiegen. Auch eine Analyse der ZDF Sendung WISO entdeckte Ähnliches: „Ein Tag, der günstige Preise verspricht, sie aber nicht bietet“.

Wieso aber haben die meisten Konsument*innen trotzdem den Eindruck, am Black Friday Geld zu sparen? Das liegt wohl an einem Marketingtrick: Oft wird z.B. ein Rabatt von 50 % auf den Originalpreis versprochen, dabei wird auf die "unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers" (UVP) verwiesen, welcher sehr hoch angesetzt ist. So also wirkt der Black Friday Preis deutlich tiefer, als er eigentlich ist.


«Black Friday ist vor allem ein Hype, der Preisreduktionen auf sehr breiter Front vorgaukelt», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes. Black Friday sei vor allem darum ein Erfolg, weil «extrem gutes Marketing, eine geballte Ladung an sogenannten Aktionen und ein Hype um diesen Tag zusammenspielen».


Spielt unser Gehirn bei Wörtern wie "Rabatt" und "Sale" verrückt?


Die einfache Antwort ist: Ja und wie! Denn unser Gehirn funktioniert mit einem Belohnungssystem – eine Gruppe von Strukturen, das durch Belohnung oder verstärkende Reize wie z.B. Suchtmittel, aktiviert werden. Wenn ein solcher belohnender Reiz - wie z.B. ein Rabatt - auf unser Gehirn trifft, wird erhöht Dopamin freigesetzt. Das führt zu einem angenehmen Gefühl und kann dazu führen, dass unser Gehirn alles andere ausschaltet. Das passiert bei regulären Preisschildern nicht - bei "Sale" Schildern jedoch umso mehr. Grundsätzlich hätten wir in unserem Gehirn auch Regionen, die dafür zuständig wären, zu beurteilen, ob ein Kauf notwendig ist oder nicht. Doch aufgrund der Rabatten ist diese Region weniger aktiv, weil sie weniger durchblutet werden. Dies führt dazu, dass viele Konsument*innen kaufen, ohne abzuwägen, ob sie die Produkte wirklich benötigen.


Bei fashionchangers haben wir passende Worte von Dr. Katia Vladimirova, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Genf und Gründerin von Sustainable Fashion Consumption, gefunden: „Konsumierende werden von diesen Rabattversprechen gelockt und haben den Eindruck, Geld zu sparen. Dadurch kaufen sie in Wirklichkeit jedoch mehr ein und geben somit mehr Geld aus. Es ist eine clevere Marketingstrategie. Trotz 70 Prozent Preisnachlass, geben Menschen im Durchschnitt also mehr Geld aus, denn sie kaufen am Ende auch Dinge, die sie sonst nicht gekauft hätten, beziehungsweise nicht brauchen. Ich denke, das ist Teil der menschlichen Natur – die Jäger*innen-und-Sammler*innen-Gesellschaft. ‘Ich muss diese Beeren sammeln, sonst sammelt sie jemand anderes und ich bleibe hungrig.’ Es ist eine ähnliche Logik. ‘Ich muss von diesem tollen Schnäppchen profitieren, sonst verpasse ich es.’ Es ist ein natürlicher psychologischer Prozess. Beunruhigend finde ich es vor allem, wenn Menschen sich verschulden, indem sie Dinge kaufen, die sie nicht brauchen. Aber das passiert auch außerhalb des Black Friday.“


Brauche ich es wirklich oder kaufe ich es nur, weil es gerade sehr günstig ist?


Für unser Gehirn ist es also schwierig bei Rabatten abzuwägen, ob wir etwas wirklich brauchen. Oft kaufen wir etwas also wahrscheinlich nur, weil "Sale" oder "Rabatt" drauf steht. Indem wir Produkte kaufen, die wir nicht benötigen, geben wir Geld aus, das wir hätten sparen können. Wichtig zu erwähnen uns ist hier, dass wir niemanden shamen möchten, der am Black Friday ein lang ersehntes Produkt kauft oder aufgrund der finanziellen Lage sich sonst gewisse Produkte nicht leisten kann. Trotzdem gilt es aus unserer Sicht, den Black Friday und das ganze ausbeuterische System dahinter kritisch zu hinterfragen. Denn wer wirklich unter dem Massenkonsum leidet, sind diejenigen Menschen, welche die Produkte unter menschenrechtswidrigen Bedingungen herstellen sowie die Umwelt, die dadurch stark belastet wird.


Die Stiftung Konsumentenschutz hat in einem Ratgeber Tipps zusammengestellt, wie mit Shoppingfallen umgegangen und unnötige Käufe vermieden werden können.


Der erste und unserer Meinung nach beste Tipp lautet:

  1. Kauf nichts: Am meisten werden Kleidungsstücke und Elektroartikel gekauft, Produkte mit einer besonders schlechten Umweltbilanz. Deshalb die Alternative: Der Kauf-nichts-Tag. Damit sparst du nämlich am meisten und kannst im besten Fall ganz viel Energie aufladen.

Falls du am Black Friday doch etwas konsumieren möchtest, gibt der Konsumentenschutz folgende Tipps, welche wir gerne mit dir teilen:

  • Einkaufsliste schreiben und Budget festlegen: Lasse dich nicht mit hohen Rabatten zu überflüssigen Käufen verleiten.

  • Cool bleiben: Zeitlich begrenzte Rabatte können einen inneren Kaufzwang auslösen. Lass dich nicht durch Hinweise wie «nur noch wenige verfügbar» unter Druck setzen.

  • Preise vergleichen: Rabatte beziehen sich oft nicht auf den vorhergehenden Marktpreis, sondern auf unverbindliche Preisempfehlungen des Herstellers. Vergleiche den Preis des Produkts mit anderen Händlern oder auf Plattformen wie Comparis. Das gilt auch bei der «Tiefpreisgarantie».

  • Unseriöse, verdächtige Onlineshops meiden: Sei besonders vorsichtig bei Onlineshops. Wenn du mit Vorauskasse oder Kreditkarte bezahlen kannst, gilt es, den Anbieter genau zu prüfen.

  • Rabattlabels misstrauisch beurteilen: Nur weil Produkte ein Black-Friday-Label tragen, heisst das nicht, dass sie auch vergünstigt wurden. Kläre vor dem Kauf ab, ob es auch tatsächlich einen Rabatt auf den Artikel gibt.


Wie lange hält die anfängliche Euphorie nach einem Schnäppchen Kauf an?


Wir kennen es alle: Das positive Gefühl nach einem Kauf eines neuen T-shirts oder einer perfekt sitzenden Hose und wie toll es ist, wenn wir dafür Komplimente erhalten. Und das Glücksgefühl ist sogar noch erhöht, wenn wir das Produkt mit einem Rabatt ergattern. Aber

Achtung: Shopping und Konsum machen nicht glücklich. Einer Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2017 zufolge kann Einkaufen nach der anfänglichen Euphorie sogar eher negative Emotionen auslösen. Denn nach dem Einkauf kommen oft Schuldgefühle auf oder eine innere Leere, die viele mit erneutem Konsum angehen.

Die Studie zeigt auch, dass viele der Konsument*innen einkauft, um sich besser zu fühlen. Die neuen Kleider sollen Selbstvertrauen und Anerkennung verleihen. Viele sehen im Shopping auch die Möglichkeit, um Langeweile zu vertreiben oder Stress abzubauen. Mit dieser sehr wichtigen Studie macht Greenpeace auf die fatalen Mechanismen der Fast-Fashion-Industrie aufmerksam und zeigt, wie sinnlos der Konsum-Kreislauf ist, in dem viele von uns gefangen sind.


Nun bleibt die Frage offen: Was kannst du tun?


Wenn du am Black Friday statt etwas zu Kaufen, das du nicht wirklich brauchst, ein wenig Liebe schenken möchtest - aber NICHT einem Unternehmen mit ausbeuterischem Wirtschaften, sondern einer Organisationen, die sich für eine nachhaltigere und gerechtere Modewelt einsetzen, dann haben wir da ein paar Ideen für dich: 💚 Werde Walk-in Closet Gönner*in oder schenke uns eine Spende 💚 Unterstütze den Colorful Day von Fashion Revolution 💚 Werde Mitglied bei Public Eye

💚 Repariere eines deiner Lieblingskleidungsstücke z.B. in einem Repair Cafe

💚 Lass dich von Upcycling Künstler*innen inspirieren

💚 Leihe dein nächstes Kleidungsstück aus: Bei sharealook, storytellerdresses oder teil.style

💚 Kaufe in deinem Lieblings Secondhandshop ein - hier eine Liste unserer Favoriten

💚 Unterschreibe die Petition zur Konzernverantwortung

💚 Unterschreibe die Petition von Good clothes - fair pay welche eine faire Entlohnung der Textilarbeiter*innen fordert


Quellen:



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